Hamburg trinkt… na was denn nun?

In der Hamburger Morgenpost erschien in der Ausgabe vom heutigen Donnerstag ein Artikel über das »St Pauli Roar« Projekt zur Unterstützung antirassistischer Fan- und Recht auf Stadt Initiativen erschienen. Was als gutgemeinter Artikel gedacht war, wurde zu unserem Schreck aber mit dem Titel »Hamburg trinkt braun weiß« versehen. Dieser ist an sich zwar nicht unpassend und dieses Wortspiel wird in allerlei Kombinationen verwendet, ist aber im Sinne der Solidarität der Name des St. Pauli Fanprojektes Hamburg trinkt braun weiß , von dem eine Förderung an Fanräume und antifaschistische Projekte geht.

Wie der St. Pauli Roar Bio-Espresso eine gute Sache und in erster Linie eine Frage der Kaffeevorliebe. Cafe Latte, Espresso Doppio oder Kaffee mit Milch und Zucker: Mehr zu den beiden Fanprojekten findet ihr auch in diesem Interview aus dem Übersteiger auf diesem Blog.

Ausriss aus der Mopo

Solidarischer Handel mit
Cafe Organico Marcala S.A.

COMSA ist eine 2001 von 69 Kleinbäuer_innen gegründete Organisation, mit dem Ziel die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Region Marcalla in Honduras zu verbessern. Aktuell gibt es 614 Gesellschafter_innen (davon 164 Frauen) mit Beteiligung von indigenen Lenca.

COMSA besitzt gemeinsame Verarbeitungsanlagen und produziert Biodünger und Bioalkohol mit Schälabfällen. 2.700 t Rohkaffee werden mit verschiedenen Siegelungen produziert (Biolatina, Mayacert, Fairtrade u.a.). COMSA ist zudem in der Lateinamerkanischen und Karibischen Koordination des gerechten Handels, ein Verband kleinbäuerlicher Organisationen, der als Folge politischer Kritik am FLO-Siegel von Fairtrade ein eigenes Siegel initiiert.

Mitglieder engagieren sich in der Demokratisierungsbewegung als Antwort auf den Putsch 2009, sowie gegen Wasserkraftwerk- und Bergbauprojekte, welche die Lebensgrundlagen der indigenen Bevölkerung und kleinbäuerliche Strukturen bedrohen. COMSA betreibt zudem Bildungsarbeit, Stipendien, ein Radioprogramm und unterstützt die Gesundheitsversorgung und ein Krankenhaus in der Region.

Tassenprofil
Lebendige, schillernde Säure mit samtenem, mittelstarkem Körper, Orangen- und Grapefruitnote mit dunkler Schokolade. Blumiger Nachgeschmack. Unterschiedliche Ausprägungen in einzelnen Pflanzungen

Anbau: 1200 bis 1700 m im Hochland

Niederschlag: 1700 bis 2200 mm jährlich

Temperatur: 16 bis 20 Grad Celsius

Erntezeitraum: Dezember bis März

Rohkaffeepreis St. Pauli Roar: 5,83 $ pro kg

Solidarisch gehandelter Espresso liegt damit über vergleichbaren Weltmarktpreisen für fair gehandelten Kaffee.

Mehr Infos:
www.cafe-libertad.de
http://cafeorganicomarcala.net/

Der Roar fürs Viertel

Ein Gespräch zu Solikaffee und Espresso aus dem Übersteiger #108

Seit Beginn des Jahres gibt es zwei neue Solidaritätskaffees aus der Fanszene des FC St. Pauli. Den Filterkaffee »Hamburg trinkt braunweiß« und den Espresso »St. Pauli Roar«. Bei beiden Projekten gehen 2.- Euro pro kg an Fanprojekte. In ersterem Fall zusätzlich an antifaschistische Gruppen, im letzteren an Stadtteilprojekte und Initiativen rund um das Recht auf Stadt. Im Folgenden ein Interview mit Micha von »St. Pauli Roar« über die Hintergründe des Projektes und wie es angelaufen ist.

Euer Espresso heißt »St. Pauli Roar«, da werden ja recht traditionsreiche Bezüge hergestellt?

Klar, beim Roar denken alle erstmal an das Fanzine. Wir beziehen uns aber stärker darauf, wofür dieser Begriff heute steht, also eine bestimmte Form des Supports, aber auch ein politisches Verhältnis zu dem, was uns umgibt: Das Stadion, den Stadtteil, die fünf Tage, in denen wir arbeiten oder darum kämpfen, weiter HartzVI zu bekommen. Einerseits ist Fußball für uns ein befreiender Ort, wo wir uns einfach mal begeistern wollen, andererseits spüren wir aber auch, dass wir uns selbst mitnehmen und unser sonstiges Leben nicht an der Einlasskontrolle abgeben. Den »Roar« finden wir darüber hinaus aber auch einfach ein schönes Synonym für einen Espresso. Und St. Pauli, na klar darum geht es uns ja.

In welcher Hinsicht?

Keine Ahnung, ob ich mich allgemein als Fußballfan bezeichnen würde. Ich bin vor allem Fan des FC. St. Pauli. Auch wenn mich über die Jahre auch mit anderen Vereinen und Ligen beschäftige, ist das vom Gefühl her so geblieben. Wenn man im Stadtteil lebt, bleibt nicht aus, dass man sich mit dem Verein identifiziert und Interesse entwickelt. Mitte der Neunziger war ich das erste Mal bei einem Spiel vor den Toren des Millerntors und habe dort Flugies verteilt. Ich war mit einem Freund der einzige der Gruppe ohne Karte und wir standen alleine draußen und hörten das Rumoren und die Begeisterung von drinnen. Zum nächsten Spiel hatten wir uns Karten besorgt und waren infiziert. St. Pauli ist ein echter Stadtteilverein – das ist überall zu spüren, auch in der politischen Auseinandersetzung, wenn Fans Demonstrationen organisieren, um die Vertreibung von Obdachlosen an der Kersten Miles Brücke zu verhindern oder wütend auf die Straße gehen nach der Räumung des Wagenplatzes Bambule. Die Überschneidung von Fußball, Support und dem heterogenen Leben im Viertel ist für mich das Einzigartige an diesem Verein. Ich liebe es, an Spieltagen auf die Straße zu gehen, wenn immer mehr Menschen auf dem Weg ins Stadion sind oder vor den Kneipen rumhängen. Das ist für mich immer etwas Besonderes geblieben.

Zurück zum Kaffee, wie seid ihr auf die Idee eines Soli-Espresso gekommen?

Eine Freundin von mir arbeitete bei Cafe Libertad und erzählte mir vom Störtebeker-Filterkaffee. Das ist ein Soli-Kaffee, der vom Kollektiv günstiger verkauft wird mit einem Aufschlag als Spende für linke Projekte und Zentren. Das ganze funktioniert, weil es sich um eine Genossenschaft handelt, die nicht auf privatwirtschaftliche Gewinne ausgerichtet ist. Von Anfang an hatte ich mit dem Gedanken gespielt, ein solches Projekt für die Fanszene des FC St. Pauli auf den Weg zu bringen. Zuerst war das ganz niedrigschwellig und ich hatte das ein oder andere mal besoffen mit Freunden und Freundinnen darüber gesprochen. Das Feedback war dann immer positiv. Anfang des Jahres, ich war inzwischen auch selbst ins Kollektiv eingestiegen, nahm das dann immer konkretere Formen an und es entstand ein Gruppe von Leuten aus der Fanszene und dem Stadtteil, die den »Roar« auf den Weg brachten.

Nachdem wir zu einer Veranstaltung im Zeckensalon geladen hatten, wurden wir dann angesprochen, dass »Hamburg trinkt braunweiß« ebenfalls ein Fan-Projekt mit Filterkaffee gestartet hatte. Glücklicherweise hatten wir uns ohnehin bereits dafür entschieden, mit einem Espresso loszulegen. So kamen wir uns nicht ins Gehege und die Projekte ergänzten sich auf positive Weise. Wie wir dann schnell festgestellt haben, gibt es eine ganz ähnliche Idee und Vorstellung vom Projekt und auch persönliche Bekanntschaften.

Wie habt ihr das Ganze dann umgesetzt?

Zum Glück gibt es in Hamburg viele Projekte im solidarischen Kaffeehandel. »Hamburg trinkt braunweiß« arbeitet mit El Rojito zusammen und wir mit Cafe Libertad Kollektiv. Ohne diese Kooperationen hätten wir so etwas auch niemals starten und finanzieren können. Bei Cafe Libertad gibt es den Ansatz, nicht nur irgendwelchen fairen Kaffee zu kaufen, sondern bewusst mit widerständigen Organisationen oder zapatistischen Kooperativen aus Chiapas zusammenzuarbeiten. Im Fall von Comsa aus Honduras ist es so, dass dies zwar eine sehr große Organisation, aber nach innen sehr basisdemokratisch organisiert und am Widerstand gegen ein Tagebau- und Staudammprojekt beteiligt ist. Dieses bedroht die Existenz vieler Kleinbäuerinnen und -bauern. Vierzig Cent pro Kilo Roar gehen daher zusätzlich zu den 2 Euro für die Fanszene an oppositionelle Gruppen und soziale Kämpfe in Honduras

Wie funktioniert denn die Förderung?

Wir wollen erstmal ein halbes Jahr sammeln, um zu sehen, was dabei zusammenkommt. Danach können Förder-Anträge über die Kontaktadresse gestellt werden. Wir dachten an eine Begrenzung der Fördermittel pro einzelnem Antrag, damit möglichst viele etwas davon haben. Entschieden wird das Ganze von einem Gremium von Menschen aus der Fanszene und von Stadtteilprojekten auf St. Pauli. Die Einnahmen und Förderungen werden dann auf unserem Blog dokumentiert. Je mehr der Selbstvertrieb läuft, desto mehr kommt natürlich zusammen.

Was versteht ihr unter Selbstvertrieb?

Kaffee wird oft bis zu fünfmal gehandelt, bis er bei der Röstung angelangt. Der »Roar« ist direkt importiert und es gibt keinen Wiederverkaufsaufschlag bei der Kalkulation. D.h. er wird entweder von Fans selbst vertrieben, direkt über den Shop von HYPERLINK „http://www.cafe-libertad.de“ www.cafe-libertad.de bestellt oder von Kneipen und Läden solidarisch angeboten. So kommt auch der günstige Preis von 3.80 € für 250 g zusammen, obwohl es sich um einen sehr hochwertigen Bio-Espresso aus einer der besten Kaffeeregionen in Honduras handelt. Dafür sind wir natürlich darauf angewiesen, dass das Projekt lebt und die Leute auch Lust darauf haben. Wir wollen aber auch keinen Einfluss darauf nehmen, wenn Verkaufsstellen einen kleinen Aufschlag draufpacken. Wichtig ist uns aber, dass alle die Möglichkeit haben, den Espresso auch direkt zu erwerben. Gerade auf St. Pauli schwimmen die Leute ja oft nicht im Geld und bei einem Kaffee für den Stadtteil ist uns wichtig, dass sich alle, die das wollen, ihn auch leisten können.

Willst du noch etwas loswerden?

Bisher gibt es den Roar im Fanladen und der GWA-St. Pauli. Verschiedene Kneipen und Läden haben bereits angefragt oder wurden von uns angesprochen. Aufgrund des Interesses gibt es nun auch ganze Bohnen im 1 kg Beutel. Wir wollen Verkaufsstellen und Orte, wo der Roar eingeschenkt wird, in Zukunft auch auf unserem Blog veröffentlichen. Aber wir freuen uns natürlich, wenn noch mehr Leute aktiv werden und die Projekte bekannter machen.

http://blog.uebersteiger.de

Soliaktion von Pinkmacabre

„Wir wollen mit einer speziellen Aktion, gemeinsam mit den Leuten von „Sankt Pauli Roar“, Faninitiativen, die Förderung von „Recht auf Stadt“-Projekten und einige weitere selbstorganisierte Projekte im Hamburger Stadtteil St. Pauli unterstützen. Außerdem unterstützen wir mit der Aktion direkt oppositionelle Gruppen in den Produktionsländern und wollen mit garantierten Mindeslöhnen weltweit die Arbeitsbedingungen verbessern.“

Ab einem Bestellwert von 35€ über den Pinkmacabre Fairtrade-Webshop gibt es eine Packung „Sankt Pauli Roar“ Solidaritätsespresso gratis!
Die Aktion läuft vorläufig bis zum 1. September auf http://pinkmacabre.de!

Verbreitet die frohe Kunde! Trinkt solidarisch und tragt fair!

http://pinkmacabre.de

Soliprojekt für Faninitiativen, die Förderung von Recht auf Stadt Projekten und den Stadtteil St. Pauli.

St. Pauli wird verbunden mit dem »Roar«. Dieser entwickelte sich in den achtziger Jahren auf der Gegengeraden im Millerntor und stand gleichermaßen für emotionale Begeisterung und Unterstützung bei Spielen des FC St. Pauli, wie für eine politische Haltung über den Verein hinaus.

Der Kampf um die Hafenstraße, Hausbesetzungen, Antifaschismus oder der Widerstand gegen Kommerzialisierung waren Teil dieser Entwicklung. Der Support und auch der Stadtteil St. Pauli hat sich mit den Jahren gewandelt. Nach wie vor gibt es aber eine politisch aktive Fanszene, für die St. Pauli nicht nur Fußball bedeutet, sondern auch Alltag, soziale Kämpfe und politische Auseinandersetzungen um das Recht auf Stadt.

Dies soll mit einem Solidaritätsespresso aufgegriffen werden, der der Unterstützung von Politik und Bewegung im Stadion und Stadtteil dient. Das Projekt von Cafe Libertad Kollektiv wird in Zusammenarbeit mit Fans und Stadtteilinitiativen organisiert um antirassistische Fanprojekte, politische Stadtteilarbeit auf St. Pauli und die Frage um das Recht auf Stadt zu fördern.

Möglichst viel der Einnahmen soll an Kleinbäuer_innen und opositionelle Genossenschaften im Herkunftsland oder politischen Faninitiativen und Stadtteilprojekten auf St. Pauli aber auch in anderen Stadtteilen zugute kommen. Der Kaffee wird pestizidfrei angebaut und solidarisch gehandelt. Oppositionelle Gruppen in den Produktionsländern werden mit 40 Cent pro kg unterstützt, darüber hinaus sollen weitere 2 Euro pro kg an Fan- und Stadteilinitiativen gehen.

Der Espresso kostet im Selbstvertrieb gemahlen 3.80 Euro als 250 g Vakuumpackung und in ganzen Bohnen 15 Euro im 1 kg Beutel.

Bezogen werden kann der Solidaritätsespresso in Stadtteilprojekten, an Fantreffpunkten oder via Internet im Shop von www.cafe-libertad.de. Dieses Angebot ist nur aufgrund eines nicht privatwirtschaftlich gewinnorientierten Charakters zu verwirklichen.

Über die Verwendung von Soligeldern entscheidet ein Gremium aus Fans und Stadtteilaktivist_innen. Überschüsse und vergebene Spenden werden dokumentiert und veröffentlicht. Anträge auf Förderung können für Fanaktionen gestellt werden, deren Zweck sich gegen Faschismus, Rassismus, Sexismus, Homophobie, Antisemitismus oder Repression im Stadion und der Gesellschaft richtet. Im Rahmen der Stadtteilarbeit sollen unabhängige Projekte oder Aktivitäten gefördert werden, die der Selbstorganisierung von Anwohnerinnen und Anwohnern dienen und sich für ein Recht auf Stadt einsetzen. Die Förderung beginnt nach einer Anlaufphase von 6 Monaten.

Ihr könnt, das Projekt unterstützen, indem ihr den St. Pauli Roar bestellt und bei euch anbietet, Kneipen ansprecht ob sie ihn ausschenken wollen oder einfach nur euer Umfeld darüber informiert. Der Bio-Rohkaffee kommt von der kleinbäuerlichen Organisation Comsa aus Honduras und wird zu einem Espresso mit italienischer Röstung verarbeitet.
Die Region Marcala ist bekannt für ihren hochwertigen Kaffee und die selbstorganisierte Weiterentwicklung von Qualitätsstandars und Bioanbauverfahren. Viele Kleinbäuer_innen sind aktuell jedoch bedroht von einem Staudammprojekt und daran anknüpfenden Tagebau, der Anbauflächen und damit die Existenzgrundlage politischer Kooperativen in der Region bedroht.

Schreibt uns gerne an, wenn ihr Fragen habt oder Informationen das Projekt unterstützen wollt.

St. Pauli Roar
stpauliroar [at] gmx.de