Partizan Minsk on Tour

St. Pauli Roar fördert mit 250.- Euro eine Veranstaltungsrundreise antifaschistischer Fans vom selbstverwalteten Fußballclub Partizan Minsk.
Im Rahmen der Rundreise wird eine Veranstaltung in Hamburg stattfinden die Fans von Victoria, dem AFC und FC St. Pauli organisieren. Anschliessend findet ein Spiel gegen St. Pauli VI statt. Neben dem sportlichen Aspekt soll für öffentliche Aufmerksamkeit gesorgt und politische und sportnahe Akteure sensibilisiert werden. Im folgenden einige Hintergrundinformationen von FairPlay-vidc/Fußballfans gegen Homophobie. Weitere Informationen und ein Spendenkonto findet ihr auch auf:
http://savemtz.blogsport.eu/2013/02/04/unterstutzt-die-partizan-minsk-tour-2013/

1. Hintergrund

Die Republik Belorus wird als letzte Diktatur Europas bezeichnet. Alexander Lukaschenko, der Präsident des Landes, wird immer wieder als totalitärer Herrscher beschrieben, der sein Volk unterdrückt, in Unfreiheit knechtet und auch sonst nicht zimperlich mit Kritiker_innen umgeht. Der vermeintlich letzte Diktator Europas und sein Regime erscheinen lediglich als dunkle Folie für eine dystopische Entwicklung vorgesehen zu sein. Es ist angesichts der staatlichen Gewalt und Repressionen sowie der Proteste kaum denkbar, daß die Menschen in Belorus einen Alltag jenseits der politischen Unterdrückung kennen. Noch viel weniger erscheint es möglich, daß dort auch Fußball gespielt wird und sich eine aktive Fanszene entwickelt hat.

Eine lobens- und unterstützenswerte Sonderstellung nimmt in diesem Zusammenhang der Fußballklub Partizan Minsk mit seinen Fans ein. Der Klub existiert seit zehn Jahren und entstand aus der Fusion der Betriebssportvereine des Minsker Traktorenwerks (MTZ) und des Republikanisches Instituts für Berufsausbildung (RIPO). Die Fans engagierten sich schon sehr früh antirassistisch und wurden schnell in Osteuropa zu einem Symbol für eine aktive antifaschistische Fankultur weit über Belorus hinaus. Der Verein unterstützte das Engagement der Fans von Beginn an. Sportlich lief es für den Verein ebenfalls lange gut. Von 2004 bis 2010 spielte der MTZ RIPO erfolgreich in der ersten belorussischen Liga. In der folgenden Saison wurde der Klub in Partizan Minsk umbenannt. Nach dem Rückzug des Oligarchen und Großsponsors Vladimir Romanov und der damit einhergehenden Insolvenz zu Beginn des Jahres 2012 verlor Partizan Minsk seine Lizenz für die höchste Spielklasse. Dies bedeutete vorerst das Ende des Vereins.

Erst Ende März konnte nach dem beispiellosen Einsatz der Fans in Belorus, die ihren Klub nicht sterben lassen wollten, der Verein Partizan Minsk als selbstverwalteter Fußballklub neu gegründet werden. Eine internationale Solidaritätskampagne, die von antifaschistischen Fangruppen aus Deutschland initiiert wurde, unterstützte den Neuanfang. Der Verein startete mit 24 Spielern, zwei Trainern, einem Arzt und neuem Personal in der Geschäftsstelle in der vierten Liga, der Minsker Stadtliga. Alle Aktiven, bis auf die Trainer, engagieren sich ehrenamtlich. Die Spieler bekommen lediglich kleine Prämien. Der Teamarzt zahlt sich praktisch selbst und unterstützt so den Verein. Der Spielbetrieb wird komplett über Spenden der Zuschauer_innen und den Verkauf von Merchandise-Artikeln geleistet.

Der neugegründete Fußballklub Partizan Minsk ist für die Aktiven und die Fans nicht nur ein Verein, sondern auch ein sportliches und soziales Projekt. Da er selbstverwaltet ist, beweist er, daß Sport auch jenseits der üblichen kapitalistischen Verwertungslogik möglich ist. Hinzu kommt antifaschistisches Engagement. Diese besonderen Menschen zu treffen, ihnen die Möglichkeit zu bieten, über ihren Alltag zu berichten und Spenden für ihre Arbeit zu sammeln, soll das Ziel der Tour von Partizan Minsk durch Deutschland sein.

Für einen anderen Fußball – für eine emanzipatorische Kurve!

2. Die Tour

Die maßgeblich an der Solidaritätskampagne beteiligten Fangruppen gehören zu den Vereinen FC St. Pauli, SV Babelsberg 03, Roter Stern Leipzig, Tennis Borussia Berlin, Altona 93 und Victoria Hamburg. Die Stationen der Tour werden deshalb Berlin, Hamburg, Leipzig und Babelsberg umfassen. Ziel ist neben dem sportlichen Aspekt, für öffentliche Aufmerksamkeit zu sorgen, politische und sportnahe Akteure für dieses Thema zu sensibilisieren und die internationale Vernetzung aktiver Fans voran zu treiben.

Quelle: http://fairplay.vidc.org/aktuelle-news/news/article/partizan-minsk-on-tour/


1 Antwort auf „Partizan Minsk on Tour“


  1. 1 Material zur Tour veröffentlicht | Pingback am 15. Februar 2013 um 0:35 Uhr
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